Ein Erfahrungsbericht von Juliane 

Als ich mit unserer kleinen Tochter schwanger wurde, brauchte ich relativ schnell Hilfe durch eine verständnisvolle Hebamme, da ich nicht zu den Frauen gehörte, die ihre Schwangerschaft nur genießen konnten. Unsere Hummel meldete sich sehr frühzeitig mit starker Übelkeit. Ich war relativ hilflos und dann unendlich dankbar, Mary-Lou und die Bellabauch-Hebammenpraxis gefunden zu haben. Sie half mir bereits schon in der Schwangerschaft über so manchen Berg hinweg und war mir stets eine sehr kompetente und liebevolle Schwangerschaftsbegleiterin, so dass ich nicht lange überlegen musste, ob ich einer Beleggeburt zustimmen sollte.

Da ich bereits vor der Geburt schon frühzeitig Wehen verspürte, dachten wir alle, dass sich unsere Kleine zeitiger auf den Weg macht. Doch das Gegenteil war der Fall, Mary-Lou unterstützte in dieser Zeit mit allerlei Hilfsmitteln von Mutter Natur, um es so angenehm wie möglich zu machen. Sie beruhigte mich stets mit dem Gedanken, dass sich Mathilde dann auf den Weg mache, wenn sie soweit sei. (Was im Nachhinein auch heute noch so ist. Zeit geben – dem ungeborenen und dann dem in die Welt geworfenen Kind -  ist eine einprägsame Formel.)

Dann war es endlich soweit – zwei Tage nach dem errechneten Entbindungstermin verlor ich in der Nacht etwas Fruchtwasser. Da ich zu den überängstlichen und völlig überspannten Schwangeren gehörte und Mary-Lou´s Ratschlag, sie erst anzurufen, wenn ich nach Blasensprung Wehen habe oder nachdem ich die Nacht geruht habe und bevor ich in die Klinik fahren möchte, ignorierte (im Nachhinein hatte sie natürlich wieder Recht damit), fuhren wir schnurstracks ins Diakonissenkrankenhaus. Dort angekommen wurde zunächst bestätigt, dass es sich tatsächlich um Fruchtwasser handelte, ich wurde an ein CTG angeschlossen und es wurde ersichtlich, dass da keine Wehen seien. Es war demnach viel zu früh für das Krankenhaus (was ich ja eigentlich wusste), aber da es mittlerweile nachts um Zwei war, konnten Andreas und ich gleich da bleiben und im Belegkreisssaal ein bisschen „vorschlafen“. Mary-Lou kam nach unserem Anruf dann fröhlich und entspannt wie gewohnt morgens dazu und ich fühlte mich plötzlich sehr aufgehoben. 

Da die Wehen noch nicht so recht wollten, versuchte Mary-Lou mit verschiedenen Tricks ein wenig nachzuhelfen, was sich als nicht so einfach herausstellte. Ihrer Ansicht nach, war ich noch viel zu entspannt für „richtige Wehen“, da ahnte ich dann langsam, was mir noch bevorstehen würde. Nachdem ich den Stationsflur mit Andreas entlang gelaufen war und auch er eine Verschnaufpause benötigt hatte, ging Mary-Lou mit mir an die Elbe. Ich dachte an einen Spaziergang, doch sie hat das unermüdliche Talent der Motivation und des sportlichen Antriebs, so dass ich recht zügig und viel zu warm angezogen, mit ihr den Radweg hin und her sportelte, um die Wehen weiter anzuregen. Ein wenig hat es wohl geholfen, wenn auch noch nicht genug. (Außer dass ich vielleicht schon gefühlt ein Kilogramm Schwangerschaftsgewicht vorzeitig ausschwitzte.)

Mittlerweile war es nachmittags und die Wehen waren stärker, jedoch leider noch nicht Muttermunds- wirksam, das frustrierte mich ein wenig, denn ich hatte langsam Hunger und irgendwie das Gefühl, dass es doch nun mal vorangehen müsste. Wir entschieden uns durch die erhöhte Zeit nach Blasensprung dann dazu, ein Wehenmittel zu versuchen. Kurz danach ging es dann auch auf dem CTG sichtbar  und für mich spürbar, los. Das Besondere an der Beleggeburt war nicht nur, dass Mary-Lou die ganze Zeit als Begleiterin an unserer Seite war, sondern dass sie auch durch ihre ausgeglichene und bestärkende Art das Gefühl vermittelte, dass man da gemeinsam schon durchkäme und am besten auch noch mit einem Lächeln. Durch die Unterstützung von Andreas und Mary-Lou ging es dann immer abwechselnd in die Badewanne zur Entspannung, dann wieder zurück zum Geburtssessel in den 4 -Füßlerstand und laufend (krümmend) durch das Zimmer. Beide verloren nicht ihren Witz und das hat mir die Zeit schnell vergehen lassen. Mein Kind hatte bisher noch keinen Bezug zum Becken aufgebaut, was uns seit Blasensprung und Eröffnung des Muttermundes beunruhigte. 

Leider rutschte das Köpfchen auch mit zunehmender Wehentätigkeit nicht in mein Becken, so dass an eine PDA gedacht werden musste, damit ich und mein Körper sich entspannen konnten. Eigentlich wollte ich keine Peridualanästhesie, ich hatte zuvor natürlich viel zu viel darüber auf unglaubwürdigen Internetseiten gelesen. Doch Mary-Lou bestärkte mich darin, da es schon mancher schwerer Geburt geholfen und manches Kind ins Becken befördert habe. Auch hier vertraute ich ihr und ließ den kurzen Stich unter Wehenschmerzen zu, hineingepresst in den Busen der Anästhesieschwester versuchte ich, mich nicht zu bewegen. Im Nachhinein war dies die beste Entscheidung gewesen, die sie hätte treffen können. Die starken Wehen konnten wirken und ich mich entkrampfen. 

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Nach der PDA wollte ich mich kurz zur Seite drehen, da knallte es hörbar und dann wurde mir erst klar, warum es Blasensprung heißt. Es hatte sich wohl erneut eine Vorblase gebildet die jetzt gesprungen war. Das Kind rutschte mit einem Mal in mein Becken, unerwartet schnell öffnete sich der Muttermund vollständig und die Austreibungsphase begann. Mary-Lou bereitete zügig alles vor und ich spürte schon, dass ich jetzt keinen Einfluss mehr nehmen kann auf das, was passierte. In unterschiedlichsten Positionen trieb sie mich an, nicht aufzugeben und ganz ruhig, aber bestimmt mitzuwirken. Mir hat es neben Andreas sehr gut getan, dass wir bereits ein enges Verhältnis hatten, denn so konnte ich ihr genau folgen und vertrauen. Als es dann endlich nach einer langen Pressphase dazu kam, dass Mary-Lou Andreas das Köpfchen von Mathilde zeigte, war das Schlimmste überstanden. Es dauerte dann nur noch Sekunden auf dem Gebärhocker und unsere kleine Hummel kam 21.37 Uhr nach 22 Stunden Fieberei auf die Welt. Mary-Lou legte sie mir sofort auf den Bauch und ich konnte unser Sieben-Pfund-Wunder festhalten und werde diesen Moment wohl nie vergessen. Dann durfte der stolze Papa die Nabelschnur abklemmen. Natürlich hinterließ der kleine Brocken, den ich da durch ein gefühltes Nadelöhr presste, eine Wunde, die dann noch genäht wurde. Doch in diesen Minuten hatte ich nur Augen für mein Mädchen, die immer noch auf meinem Bauch lag und instinktiv nach etwas Trinkbarem suchte. So konnte ich mich auf sie konzentrieren und spürte das Vernähen kaum. Andreas brachte sie dann lang intensiver und langer Bondingzeit zum Messen und Wiegen zu Mary-Lou und es stellte sich heraus, dass die Berechnungen vor der Geburt tatsächlich nicht stimmen müssen – sie war größer und schwerer als gedacht. Mary-Lou kümmerte sich noch um die bürokratischen Formulare und wir ließen eigentlich nur geplättet und überglücklich die Zeit verstreichen, bevor Andreas dann leider gehen musste, da kein Bett mehr frei war. An diesem Abend entschieden nämlich vier Babys, sich auf den Weg zu machen. Zum Glück hatten wir unser Belegzimmer ja bereits viele Stunden „eingesessen“. Danach ging alles so schnell, ich wurde zur Nachtruhe in ein Dreibettzimmer geschoben und Mary-Lou guckte noch einmal nach uns. 

Dann begann das Elternsein von einem Moment auf den nächsten.

Die Entscheidung, eine Beleggeburt haben zu wollen und sich nicht vom Schichtdienst des Krankenhauses diktieren zu lassen, war genau richtig. Es hat uns als werdenden Eltern sehr viel Sicherheit gegeben, dass eine uns vertraute Hebamme bei diesem sehr intimen Moment dabei war und mit uns den Weg gemeinsam mit Witz, Feingefühl und umfassender fachlicher Kompetenz gegangen ist. 

Mary-Lou spielt dabei eine Schlüsselrolle – sie repräsentiert ihren Berufsstand mit viel Engagement und vermittelt einem das Gefühl, dass es eine ganz besondere Geburt war. Und ich bin davon überzeugt, dass sie das bei jeder Geburt nicht nur vermittelt, sondern lebt. Dass es für sie eine Berufung ist und sie so mit Herzblut an alle Schwierigkeiten herangeht, transportiert uns Eltern sorgenlosere Momente. 

Vielen Dank dafür, Mary-Lou!